{Diskussion} Was ist ein Freebook und wie viel ist es wert?

Im August 2016 habe ich zu einer kleinen Diskussion angeregt und erklärt, wie ich mich zum Kauf eines neuen E-Books entscheide, also welche Kriterien für mich ein gutes E-Book ausmachen.
Aber wie ist das eigentlich mit den sogenannten Freebooks? Delaris Gegenüberstellung von Freebook und Kaufschnitt  hat mich dazu inspiriert, auch mal ein genaueren Blick auf die Gratis-Dateien zu werfen.

Freebook

Was ist ein Freebook und wo findet man es?

Mit dem Begriff „Freebook“ werden digitale Schnitmuster inkl. Anleitung bezeichnet, die meist im pdf-Format angeboten werden und für die du nichts bezahlen musst. Es gibt verschiedene Quellen, über die man diese gratis-Dateien bekommen kann.

1. Manche Schnitthersteller bieten einen oder auch mehrere Schnitte for free, wenn man sich für den Newsletter oder auch nur für den Shop registriert.
Beispiele: Pattydoo, Maria Denmark, Deer&Doe, echt Knorke und ganz bestimmt viele mehr.

2. Andere bieten zusätzlich bzw. stattdessen in ihrem Shop Schnittmusterergänzungen oder Schnitte für kleine Accessoires gratis an. Dazu gibt es in den Shops meist eine extra Unterseite.
Beispiele: Ki-ba-doo, Pattydoo, b-patterns, lasari-Shop, SO!-Pattern, Alles für Selbermacher und ganz bestimmt viele mehr.

3. Aber auch viele DIY- und Nähblogger bieten Freebooks an, auch wenn sie kein Gewerbe in dem Bereich betreiben.
Beispiele: Schnabelina, filumas und viele andere Blogger, die hin und wieder kleine Anleitungen schreiben (Spontan fallen mir da Seemannsgarn, Vervliest und zugenäht, Funkelfaden und mein eigener Blog ein 😉 )

4. Bei meiner Recherche bin ich außerdem auf ein interessantes „Bezahl, was du magst“-System gestoßen. Das heißt, du entscheidest selbst, wie viel dir der Schnitt wert ist. Auch 0,00€ sind möglich.
Gefunden bei Mamahoch2 und Made for Motti.

Da muss man doch zugreifen?!

Ein Schnittmuster inklusive Anleitung für lau zu bekommen, klingt erstmal nach einem verlockenden Angebot. Oft ist der Weg auch relativ einfach: die Datei ist nur einen Klick entfernt. Die Newsletter-Anmeldung oder das Registrieren für einen Shop sind da noch die größten Hürden. Gerade bei den Nicht-Gewerblichen bekommst du die Freebooks tatsächlich einfach durch einen Klick auf den Download-Link.
Aber lohnt sich das Öffnen überhaupt oder sollte ich den Ordner lieber ganz schnell in den Papierkorb schieben?

Meine Kriterien für ein gutes Freebook

Bei größeren Shops wie Pattydoo oder Deer&Doe gehe ich eigentlich davon aus, dass die Schnitte ebenso professionell hergestellt worden sind, wie die Bezahl-Schnitte auch.

Bei allen anderen Anbietern von Klamotten-Schnitten lohnt es sich, genauer hinzusehen. Folgende Punkte versuche ich dann herauszufinden:

  •  Wurde das Kleidungsstück von mehreren Leuten probegenäht und somit auf Passform überprüft?
  •  Gibt es Blogbeiträge und somit „Kundenmeinungen“ über das genähte Kleidungsstück?
  • Wirken die Titelseite und die Einleitung der pdf-Datei professionell auf mich?
  • Welche eine verständliche Sprache in der Anleitung benutzt?
  • Ggf.: Sind auf den Fotos die Arbeitsschnitte gut erkennbar?

Die ersten beiden Punkte lassen sich mit dem Namen des Schnittmusters leicht per Suchmaschine oder auch über Facebook-Gruppen herausfinden. In letzteren kann man im Zweifelsfall auch nach Erfahrungen fragen, wenn man sonst nichts findet.

Für die drei weiteren Punkte muss man einen Blick in die Datei werfen und ein bisschen auf sein Bauchgefühl hören. Bei der Titelseite achte ich darauf, ob das Kleidungsstück gut und vollständig zu erkennen ist (Zeichnung oder Foto) und ob Angaben zu den Größen und zum Hersteller zu finden sind.
In der Einleitung muss ich dann überzeugt werden, das hat bei mir auch viel mit Sympathie zu tun. Sympathisch sind Einleitungen, die sich für das Vertrauen bedanken, das Kleidungsstück nochmal näher beschreiben, Besonderheiten hervorheben, und viel Spaß beim Nähen wünschen. Unsympathisch sind mir Texte, die sich nur um den Ersteller selbst drehen, oder unprofessionelle Formulierungen wie „Nimm einen Stoff deiner Wahl: Egal ob Jersey oder Webware“ oder „Kann sein, dass das Kleid zwei Größen größer ausfällt“ zu finden sind. Solche Dokumente schließe ich in der Regel gleich wieder, weil ich weiß, dass ich damit keine Freude haben werde.

Leichter haben es da natürlich Freebooks für Taschen und andere Accessoires, da die Passform hier keine Rolle spielt.

Mit etwas anderem Blick betrachte ich allerdings die Freebies und Anleitungen, die einige Blogger bieten. Da steht (meistens) kein Gewerbe und kein Budget dahinter. Es werden einfach Dinge, die man für sich selbst näht und deswegen entwickelt, an andere weiter gegeben. Bei Kleidungsstücken bedeutet dies, dass entweder nur eine Größe vorhanden ist oder eine Formel, mit der man das Schnittmuster auf seine eignen Maße anpassen muss.
Überwiegend gibt es hier auch kein komplettes E-Book, sondern nur die Anleitung als Blogpost und ggf. die Schnittteile als Download.
Dies bedeutet natürlich nicht zwangsläufig, dass die Anleitungen schlechter sind, als solche die komplett als Download-Datei ausgearbeitet sind. Ich selbst z.B. teile nur Anleitungen auf meinem Blog, von denen ich mir sicher bin, dass ich sie gut erklärt habe und eindeutige Angaben zu den Maßen und den benötigten Materialien mache.

Freebook

Fazit

Das Netz ist voller Gratisangebote. Egal, was du suchst, du wirst vermutlich eine kostenlose Variante finden. Zwei Aspekte finde ich daran sehr positiv:

  • Gerade bei einfachen Varianten von Taschen, Röcken oder Cardigans freue ich mich über die Vielfalt und die Inspiration, die die Blogger bieten. Besonders schön finde ich dabei auch den Austausch: Ich bediene mich gern an Gratisanleitungen und stelle dafür aber auch meine Ideen zur Verfügung.
  • Die Gratisschnitte von einigen Shops finde ich aus Kundensicht sehr wertvoll: Ich kann den Hersteller mal ohne Bezahlung antesten. So kann ich gucken, ob ich mit der Anleitung zurecht komme und/oder die Passform mir zusagt. Wenn dem so ist, kaufe ich bestimmt auch das eine oder andere Schnittmuster in dem Shop.

Und du?
Nähst du nach Freebooks? Oder denkst du, dass nur Kaufschnitte auch was wert sind?
Welche Meinung hast du dazu? Welche Tipps kannst du geben?
Ich freue mich über einen regen Austausch mit euch 🙂

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