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{Diskussion} Capsule Wardrobe – Was ist das und was hat das mit DIY und Nachhaltigkeit zu tun?

Das Nähen ist eins meiner liebsten handwerklichen Hobbys. Ich arbeite gern produktiv, kreiere gern etwas Neues, was ich im Alltag gut gebrauchen kann. Was lag da näher, als sich mit dem Nähen von Kleidung zu beschäftigen? Doch über die Jahre veränderte sich nicht nur mein Können, sondern auch meine Einstellung zum Thema Nähen. Unter dem Stichwort „Capsule Wardrobe“ fand ich dann einen für mich guten Weg zum Kleiderschrank voller Lieblingsstücke.

In diesem Artikel möchte ich erstmal ganz allgemein über die sogenannte „vernetzte Garderobe“ schreiben, ein Begriff, der aus dem Bereich der Fashion-Blogs stammt. Wie diese Idee auf nachhaltige Art und Weise umgesetzt werden kann und was das Ganze mit Selbernähen zu tun hat. Weitere Artikel über meinen eigenen Weg zur Capsule Wardrobe und einen Ausblick mit Tipps zur eigenen Veränderung sind in Arbeit und werden bald folgen.

Was bedeutet „Capsule Wardrobe“ überhaupt ?

Wie oben schon erwähnt, wird der englische Begriff „Capsule Wardrobe“ frei mit „vernetzte Garderobe“ bzw. „vernetzter Kleiderschrank“ übersetzt. Im Prinzip geht es darum, das der Inhalt deines Kleiderschranks, sprich alle vorhandenen Kleidungsstücke, perfekt aufeinander und auf dich und deine Bedürfnisse und Erwartungen abgestimmt sind. Das bedeutet zum Einen, dass alle Kleidungsstücke einem Stil und/oder Farbschema entsprechen und somit untereinander komplett kombinierbar sind. Das impliziert auch das Ziel, nur so viele Kleidungsstücke wie nötig zu besitzen. Und dass jedes neue Kleidungsstück sich perfekt einfügt. Zum anderen bedeutet es auch, dass du alle deine Kleidungsstücke in jeder alltäglichen Lebenslage tragen kannst und möchtest – also nur noch Lieblingsstücke besitzt.

Soweit die grundlegende Definition. Alle weiteren Details sollte jeder individuell für sich selbst festlegen – das widerspricht ja sonst auch dem Gedanken, dass dein Kleiderschrank perfekt auf dich abgestimmt ist. Deshalb sind an dieser Stelle noch folgende Dinge nicht genau festgelegt:

  1. Welche Bereiche soll die vernetzte Garderobe abdecken? Ich trage privat und beruflich dieselbe Kleidung, ein anderer mag das vielleicht lieber trennen. Ebenso kann eine Trennung nach Saison erfolgen oder auch nicht.
  2. Wie viele Teile darf ich maximal besitzen? Am häufigsten lese ich eine Zahl von etwa 33-40 Teilen pro Saison. Im Endeffekt entscheidest du, womit du gut zurecht kommst. Weniger Kleidung zu besitzen, heißt z.B. auch häufiger Wäsche waschen zu müssen.
  3. Was ist mit Unterwäsche/Sportklamotten/Schmuck/etc.? Unterwäsche ist für mich außen vor, die ist rein funktional. Klamotten, die ich nicht alltäglich trage (wie z.B. Sportklamotten, aber auch Ballkleider, Skijacken, Arbeitshosen, Gummistiefel…) zähle ich auch nicht mit. Solche Teile haben ja keinen Nutzen für mein alltägliches Outfit. Schmuck zählt bei mir nur der Modeschmuck, meinen Ehering trage ich ja sowieso. Aber ob und wo man die Grenzen zieht, lässt sich meiner Meinung nach nur abschließend klären, wenn man sich mit damit auseinandergesetzt hat, welches Ziel man mit der ganzen Aktion eigentlich verfolgt.

Warum eine „Capsule Wardrobe“? Welche Vorteile hat das?

Da ich von diesem Konzept absolut überzeugt bin, würde ich sagen, es gibt nur Vorteile. Angefangen hat es für mich mit dem Satz „Ich habe den ganzen Schrank voll, aber nichts zum Anziehen!“. Dieser oft witzig gemeinte Spruch trifft sicher bei vielen Frauen zu und das ist leider alles andere als lustig. Egal ob es an schwankenden Größen liegt, an zu vielen Trendteilen, die einem nicht stehen oder weil man mit der zu großen Auswahl schlicht überfordert ist: Ein übervoller Kleiderschrank macht die wenigsten zufrieden.
Jede Frau (und auch jeder Mann) wünscht sich doch eine übersichtliche Auswahl an tollen Klamotten, die einem gut passen und gut stehen. Oder?
Wenn man nun einen Schritt weiter denkt, ist der größte Vorteil, der sich meist automatisch ergibt, also folgender:

Du setzt dich mal richtig bewusst damit auseinander, was du eigentlich trägst und tragen möchtest.

Welche Teile sind schon Lieblingsstücke und müssen unbedingt bleiben? Welche Jeans trägst du so oft, dass du eigentlich eine zweite dieser Art brauchst? Welche Art von Hosen oder Blusen hast du zwar im Schrank, aber sowieso nie getragen? Welche Schnitte und welche Farben magst du an dir? Eher geradlinig, eher verspielt? Körperbetont oder oversized? Lieber dunkel und gedeckt oder viele bunte Farben? Blümchenmuster, Karos oder einfarbig? In welchen Materialien fühlst du dich am wohlsten? Einfache Baumwollshirts? Leichte Viskoseblusen? Cordhosen? Flatternde Stoffhosen? Skinny Jeans?

Wenn du dir darüber nach und nach im Klaren wirst, zieht das automatisch Konsequenzen mit sich: Du kannst dich leichter von Teilen verabschieden, weil du genau weißt, dass du sie nie wieder tragen wirst. Du bleibst vor Fehlkäufen bewahrt, weil du vorher besser einschätzen kannst, ob du das Teil auch tragen wirst. Somit sparst du Geld, dass du wiederum in tolle hochwertige Kleidungsstücke investieren kannst, falls deine Garderobe eine Lücke aufweist.

Wenn du also gern:

  • dir über deinen Stil im Klaren werden möchtest
  • einen übersichtlichen und nicht überfüllten Kleiderschrank möchtest
  • die Neuanschaffung von Kleidung in Zukunft bedachter und erfolgreicher angehen möchtest
  • das Gefühl haben möchest, nur noch Lieblingsstücke zu besitzen

… dann lohnt es sich für dich, sich mit dem Konzept der „Capsule Wardrobe“ näher auseinander zu setzen.

Teile der „Capsule Wardrobe“ selbermachen bzw. selbernähen?

Wenn du genau weißt, was du gerne trägst und was dir steht, merkst du schnell, wenn dir ein Teil in deinem Kleiderschrank fehlt. Das kann z.B. eine enge Hose zu all den weitgeschnittenen Oberteilen sein oder eine warme Strickjacke, um die dünnen Shirts auch im Winter tragen zu können.

Anstatt diese Teile dann zu kaufen, gab es für mich dann nur noch die Option, sie selber zu nähen. Warum ich lieber nähe anstatt kaufe, kannst du im Beitrag {Diskussion} Fashion Revolution Day nachlesen.

Für mich passt diese Option sogar noch besser zu dem vernetzten Gedanken, als das Kaufen. Wenn ich auf der Suche nach einem ganz bestimmten Kleidungsstück war, wurde ich oft in den Läden nicht fündig. Entweder waren bestimmte Schnitte oder Farben gerade nicht in Mode. Ich trage nun im fünften Winter in Folge senfgelb und dunkelrot, wenns wärmer wird wieder mintgrün und koralle. Koralle ist passenderweise 2019 Pantonefarbe des Jahres, welch ein Glück! Es kann aber eben auch anders laufen. Mit dem ultraviolett vom letzten Jahr konnte ich z.B. überhaupt nichts anfangen.

Oder es scheiterte am Material. Ich verzichte bei neuen Kleidungsstücken nun schon länger auf synthetische Materialien, wie Polyester oder Polyacryl. Es fühlt sich im direkten Vergleich einfach nicht so gut an, ich mag lieber das Gefühl von Baumwolle und/oder Viskose und neuerdings auch Modal. Viele optisch schöne Kleidungsstücke, gerade Flatterblusen und Blümchenkleider sind im Laden leider aus Polyester.

Deshalb: Wenn ich gerade der Meinung bin, ich brauche diesen Winter einen warmen gelben Pulli mit breitem Kragen, aber ohne Kapuze, mit überlangen Ärmeln und Bauchtasche, eng geschnitten, aber bequem – dann gehe ich auf Stoffsuche und nähe ihn mir einfach. Egal ob solche Pullis gerade in den Läden hängen oder nicht.

Ist das Prinzip „Capsule Wardrobe“ nachhaltig?

Diese Frage finde ich besonders interessant und wichtig und möchte sie deshalb in einem eigenen Absatz zur Diskussion stellen. Eigentlich war ich der Meinung, dass das Konzept an sich ein sehr nachhaltiges ist. Einschränkung des Konsums und überdachte Kaufentscheidungen sind doch positiv zu bewerten?
Ja, natürlich.
Trotzdem sehe ich folgendes Problem: Nachhaltiges Leben ist derzeit zu einem großen Trendthema geworden und viele Menschen wollen ihr Leben von heute auf morgen umstellen und alles „besser“ machen als vorher. Das finde ich im Allgemeinen total gut und lobenswert! Aber im Bezug auf die „Capsule Wardrobe“ gibt es einige Punkte bei denen man genauer hinschauen muss: Stichwort Aussortieren (wohin nur damit?), Neukaufen (bitte genau drüber nachdenken, was und wo du kaufst!) und Entscheidungen treffen (Was, wenn die neue Bluse nun doch nicht so toll ist wie gedacht? Und man gleich drei davon gekauft hat? Oder wenn man gerade so im Näh-Flow ist und unbedingt noch irgendwas nähen möchte?)
Ich möchte diese Gedanken an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, sondern nur einen kleinen Anstoß geben:

Eine vernetzte Garderobe entsteht nicht an einem Tag oder in einer Woche. Auch nicht in einem Monat. Vermutlich wird es ein Prozess über ein oder mehrere Jahre sein, der sich auch ständig verändert und weiterentwickelt.

Wie sich das bei mir entwickelt hat, erzähle ich demnächst in einem weiteren Beitrag.
Tipps und Hilfen, wie man die kleinen Schritte zu einer nachhaltigen vernetzten Garderobe gehen kann, gibt es dann zum Abschluss dieser kleinen Reihe.

Ich hoffe, der Beitrag hat euch gefallen, lasst gern eure Ideen und Gedanken dazu da und schreibt mir einen Kommentar!

7 Kommentare

  1. Das sind interessante Gedanken! Wobei ich persönlich gerade _keine_ übersichtliche Garderobe möchte, weil ich sehr unzufrieden bin, wenn ich ständig die gleichen Klamotten anziehen muss. Mich macht eine große Auswahl viel glücklicher (mein Schrank ist voll, aber ich trage ALLES; Kleidung noch mit Etikett dran gibts bei mir nicht). Dazu kommt, dass ich recht temperaturempfindlich bin, aber viele Schichten übereinander im wahrsten Sinne des Wortes unerträglich finde.
    Deine Hinweise finde ich aber sehr sinnvoll – besonders, die Garderobe langsam aufzubauen. Schnellschüsse gehen doch meistens nach hinten los.

    • Danke für deinen Kommentar!
      Ich finde, wenn du wirklich ALLE deine Klamotten anziehst und dich in allem wohlfühlst, dann ist das eben deine Interpretation von einem für dich perfekten Kleiderschrank. :)

      Ich finde es immer wieder interessant, welche Meinungen und Ansichten hier so zusammen kommen. Aus eigener Erfahrung und auch aus Erfahrungen von Freunden kenne ich tatsächlich nur das Phänomen, dass man teilweise nicht mehr weiß, was sich alles darin verstecken mag… :D Spannend, dass es auch anders gehen kann!

  2. Mir hat der Beitrag sehr gefallen und spricht mir aus der Seele. Ich bin auch schon einige Zeit dabei meine Garderobe entsprechend umzustellen. Ist aber noch ein langer Weg. Genau wie du nähe ich auch selber und möchte dahin, keine Kleidung mehr zu kaufen. Und das Endziel ist ein total kombinierbarer Kleiderschrank.
    Ich freue mich schon auf deine nächsten Beiträge.
    LG

    • Vielen Dank für deinen lieben Kommentar!
      Ja, die Umstellung braucht Zeit, und die muss man sich auch wirklich geben. Gerade, wenn man Kleidung selber näht. Ich wünsche dir ganz viel Spaß und Erfolg auf deinem Weg. Vielleicht können meine nächsten Beiträge dir noch ein bisschen Inspiration bieten :)
      Liebe Grüße!

  3. Liebe Katha, so finde ich nun zu dir! Ich kann mir Capsule Wardrobe für mich nicht vorstellen! Und die Sachen auch noch selber zu nähen? Ich würde aussehen, wie Quasimodo :-D Was ich allerdings anmerken sollte: wir sind vor 2,5 Jahren umgezogen. Seitdem habe ich es nicht geschafft meinen Schmuck wieder auf zu hängen… Ich trage 2-3 verschiedene Ketten und das alle 2 Monate… Und wie viele besitze ich? Mehr, als 33-40 ;-)
    Viele Grüße, Izabella

    • Liebe Izabella,
      vielen Dank für deinen Kommentar, wie schön dass du mich gleich zurück besuchst :)
      Ich hoffe, dieser Beitrag kommt nicht so rüber, als wäre das Capsule-Wardrobe-Konzept das einzig Wahre? So ist es auf keinen Fall gemeint. Wenn du mit deinem Kleiderschrank zufrieden bist und gar nicht den Wunsch nach Veränderung hast, dann kann ich gut verstehen, wenn dir das Konzept nicht zusagt. Dann brauchst du ja gar keine Optimierung :)
      Und ja, das Selbernähen ist natürlich nicht für jeden was, aber ich liebe das Nähen und kann es mir gar nicht mehr vorstellen, Klamotten zu kaufen.
      Die Sache mit den Ketten kann ich gut nachvollziehen. Ich besitze immer noch viele Ohrstecker, die ich immer mal in so eine hübsche Box sortieren wollte. Ich habe es bisher nicht geschafft, trage aber auch jeden Tag dieselben Perlenstecker :D

      Liebe Grüße!

      • Nein, nein! Ist gar nicht so rüber gekommen, keine Angst. Ich habe mich schon öfter mit diesem Thema auseinander gesetzt und kann es mir für mich einfach nicht vorstellen. Das ist ungefähr so, wie meine Leser finden, dass eine Kaufdiät schnell zwanghaft und vor allem einschränkend werden kann – so würde ich mich aktuell dabei fühlen mich auf 33-40 Stück zu beschränken. Das ist halt eben meine Macke – eine von vielen ;-) Viele Grüße, Izabella

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