{Diskussion} Basteln, Nähen und Nachhaltigkeit – Wie geht das zusammen?

Heute möchte ich gern (seit langem mal wieder) meine Gedanken zu einem bestimmten Thema niederschreiben und so vielleicht zu einer Diskussion und hilfreichem Austausch anregen. Ich freue mich, wenn du einen Kommentar da lässt und hier viele verschiedene Sichtweisen und Meinungen zusammenkommen.

Was beschäftigt dich? fragt mich ein Textfeld meiner Blog-Software und bringt mich tatsächlich dazu, heute wieder einen Beitrag zu schreiben. Weil mich etwas beschäftigt, nicht erst sein gestern.
Der Grund ist eigentlich simpel: Ich kann mich nicht mehr so richtig mit dem identifizieren, was ich da mache. Ich hatte keine Motivation und teilweise ein komisches Gefühl, mich mit neuen Blogartikeln zu befassen. Es war so ein Gefühl, das mich die letzten Wochen begleitete, ich konnte es aber bisher nicht in Worte fassen. (Achtung, es wird lang heute! Insgesamt saß ich über eine Woche an diesem Beitrag, bis ich mir einigermaßen sicher war, dass er auch den Kern meiner Gedanken trifft.)

Warum ich das Bloggen anfing – und was da mit Nachhaltigkeit zu tun hat

Manch einer wird sich noch erinnern: Ich startete diesen Blog als eine Art Hommage an Peter Lustig. Löwenzahn prägte meine Kindheit, ich hinterfragte gern Dinge, wusste gern wie Sachen funktionierten, wollte alles ausprobieren. Nicht selten zeigte Peter in den Sendungen einen Hang zu einer autarken Lebensweise, er wollte einfach alles selbermachen, selbst für den Eigenbedarf produzieren. Oder zumindest wissen wie es geht, um das Produkt an sich mehr wertzuschätzen. Das hat mich schon als Kind total fasziniert.
Auf meinem Blog wollte ich also dokumentieren und weitergeben, was ich alles selber mache. Es sollte eine Art Inspiration und Anleitung sein. Ich wollte zeigen, wie bereichernd es ist, etwas mit den eigenen Händen herzustellen, sei es nun eine Näharbeit oder bestimmte Lebensmittel. Und das es sich lohnt: Wegen des einzigartigen Ergebnisses, weil es nützlich ist, oder weil es manchmal Zeit oder auch Geld spart.
Ich erhoffte mir außerdem den Austausch mit anderen Selbermachern, gegenseitiges Inspirieren und Ideen geben.

DIY und Nachhaltigkeit – das passt nicht, oder?

Das Selbermachen – oder neudeutsch: DIY – ist seit Jahren wieder ein großer Trend. Und hat auf den ersten Blick überhaupt nichts zu tun mit Themen wie bewusst leben, nachhaltig handeln, Müll vermeiden und Umwelt schützen.
Das DIY-Bloggen ist ein riesiges Universum mit unterschiedlichsten Ausprägungen. DIY ist nicht gleich DIY. Eine zeitlang folgte ich gern den DIY-Mädels, die immer sehr schlicht und formschön gearbeitete Dinge zeigen. Viel Holz und Beton gibt es da zu sehen. Je nach Trend auch Kork, Leder oder Kupferrohre.

Auf der Suche nach weiteren DIY-Bloggern fiel mir auf, dass viele gern Deko basteln, oft auch in Verbindung mit Interior-Posts. Optisch bin ich immer wieder begeistert, aber zum Nachmachen hat es mich selten angeregt. So hübsch! Aber eben nur zum Anschauen. Mit Deko, die man sich einfach nur hinstellt, konnte ich (leider?) noch nie viel anfangen. (Außer vielleicht mal an besonderen Feiertagen.) Schön sieht es ja aus, aber mehr eben nicht…
Und dann sind da natürlich die Näh-Blogger bzw. die Handarbeitsblogger. Einige zeigen mehrmals wöchentlich neue selbst genähte oder gestrickte Kleidungsstücke, manche Blogs gehen sogar stark in die Richtungen Fashion/Mode, Stilberatung, etc. Super interessant, da kann ich mich nächtelang festlesen und super viel für mich und meinen Kleidungsstil mitnehmen. Aber wo die all diese Klamottenberge lagern, und ob sie überhaupt getragen werden, habe ich mich schon immer gefragt.

Andere schreiben E-Books und Anleitungen zum Nachmachen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen und verraten viele Tipps und Tricks für Säume, Bündchen oder Taschenverschlüsse. Von diesen Blogs habe ich gerade in meinen Nähanfängen sehr profitiert. Und ich habe gemerkt, dass ich selbst auch mal ganz gern eine Anleitung für kleinere Nähprojekte veröffentliche. Aber eben nicht regelmäßig, da ich wirklich nur für den eigenen Bedarf nähe. Ich könnte mir nicht vorstellen, mehrere Modelle einer Tasche zu nähen, nur um sie für die „Kunden“ zu optimieren. Was soll ich denn mit so vielen Taschen?
Auf den ersten Blick: Das Nähen und Basteln ist ein teures zeit- und materialaufwendiges Hobby. Eins das viel Spaß macht, aber wenig umweltbewusst ist.

Das Problem mit den Schubladen

Ich startete als DIY-Blogger und bin es immer noch. Auf meinem Blog zeige ich Nähanleitungen, Bastelanleitungen und Rezepte zum Nachmachen. Ich hatte tatsächlich viele Jahre das Problem, dass ich mich einerseits immer in eine bestimmte Kategorie einordnen lassen wollte. Deshalb las ich viele Blogs von erfolgreichen Bloggern und versuchte ihre Strategien und Ideen für mich zu adaptieren; andererseits wollte ich mich in meinen Themen überhaupt nicht einschränken lassen und schrieb über all das, was mir zum Selbermachen in die Hände fiel. Logischerweise ist das nicht ganz unproblematisch. Ich vermute, dieses Hin und Her war auch der Grund, warum ich schon öfter mal einen „Neustart“ oder eine „Neuorientierung“ machte. Und dann ganz schnell wieder in alte Muster verfiel. Weil ich meinen eigenen Weg noch nicht wirklich gefunden hatte.

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Oder besser gesagt: Weil ich mich nicht getraut habe, einfach zu meinem eigenen Weg zu stehen. Weil ich Angst hatte, in die Öko-Schublade gesteckt zu werden. Weil ich nicht zu den „Weltverbesserern“ gehören wollte, die anderen erklärten, wie sie noch umweltfreundlicher agieren könnten. Ich wollte irgendwie einfach „normal“ sein.
Heute weiß ich: Schubladen sind Blödsinn. Was ist schon normal? Und ja, ich bin irgendwie öko. Und das ist überhaupt kein Grund, sich zu verstecken. Es ist einfach gut und wichtig sich mit der Erde, auf der man lebt, auseinander zu setzen. Und sich bewusst zu machen, dass es unseren Lebensraum zu schützen gilt. Und darin muss auch niemand perfekt sein. Viele Wege führen nach Rom und jeder Schritt zählt.

DIY und Nachhaltigkeit: Das ist mein Weg

Da ich wirklich gerne und viel nähe und bastel, setzte ich mich irgendwann automatisch damit auseinander, wie ich dieses Hobby umweltfreundlich gestalten kann. Ich sehe mich nicht als Nachhaltigkeits- oder Zerowaste-Blogger. Denn ich schreibe nicht über Themen wie die Verschmutzung der Meere oder gebe Tipps zum Umgang mit dem Auto oder beim Einkaufen. Ich bin einfach nur ein DIY-Blogger, dessen Ideen aber ganz oft einem Nachhaltigkeitsgedanken entspringen.
Das Selbermachen war bei mir (fast) nie Selbstzweck, ich hatte (eigentlich) immer ein  bestimmtes Ziel:

    • Meine Kleidung möchte ich selber nähen, um meinen eigenen Stil zu verwirklichen; ich möchte die große Modeindustrie nicht mehr unterstützen, nachhaltiger agieren, Kleidung mehr wertschätzen.
    • Ich möchte mir mein Brot selber backen, um Geld, Zeit und Müll zu sparen. Außerdem weiß ich so genau, was drin ist.
    • Ich mochte meine alten T-Shirts nicht wegwerfen und suchte nach Ideen. Die Lösung hieß Jerseygarn! Ein Knäuel wurde zu einem Aufbewahrungskörbchen, ein zweites wartet noch immer auf seine Bestimmung.

    • Mehrere Möbel in dieser Wohnung stammen noch aus meinem Kinderzimmer. Weil sie noch gut waren, habe ich sie neu gestrichen und weiterverwendet. Ein Neukauf war nie nötig.
    • Ich habe eigentlich schon immer Stofftaschen zum Einkaufen verwendet und mich über unnötige Verpackungen geärgert. So lag es nahe, dass ich mir die Gemüsebeutel nähte und viele Rezepte ausprobierte. Je weniger Fertigprodukte man einkauft, desto mehr Verpackungen spart man tatsächlich! Deshalb stelle ich Marmelade, Pommes, Brot natürlich, Chili Sauce, Sushi, uvm. gern selbst her. Und da bin ich mit meinen Experimenten noch lange nicht am Ende!
    • Ähnlich verhielt es sich mit Kosmetikprodukten: Viele Produkte konnte und wollte ich mir nicht leisten. Außerdem war es wieder unnötig viel (Verpackungs)müll und der Gedanke, dass man sich nie sicher sein kann, wie gut die Inhaltsstoffe wirklich für Haut und Haar sind. Die Lösung? Selbermachen!

Welche Punkt mir wichtig sind und wie es weitergehen soll

Puh, was für eine Liste! Ich hätte noch ewig so weiterschreiben können. Das Auflisten hat mir gerade noch mal gezeigt: Ja, der Nachhaltigkeitsgedanke spielte bei mir schon immer irgendwie eine Rolle. Und ich finde das gut! Demnach passt das Selbermachen und Nachhaltig sein für mich wunderbar zusammen.
Darauf möchte ich mich auch in Zukunft wieder mehr darauf besinnen. Der Inhalt des Blog darf zu mir passen, so wie ich eben bin. Ein bisschen öko eben ;) Mehr Upcycling-Projekte umsetzen, mehr nützliche wiederverwendbare Dinge nähen. Mehr mit vorhandenem Material arbeiten und Sachen aufbrauchen und weniger neu kaufen. Und damit geht einher: Ich bleibe weiterhin dabei, dass sich mein Blog nur füllt, wenn ich zum Eigenbedarf etwas machen möchte. Und natürlich Geschenke für andere, die gibt es natürlich auch zu sehen :)

Zu verbessern gibt es natürlich trotzdem noch einiges. Ich möchte an keiner Stelle sagen, dass ich perfekt und durchgehend nachhaltig handle, ich denke, das ist klar. Manchmal braucht es auch einen „Fehlschuss“, um herauszufinden, wie man besser machen kann. Deshalb nehme ich mir vor, mich in Zukunft bei jeder Idee und jeder Anschaffung zweimal zu fragen, ob ich das wirklich brauche. Das klappt bestimmt nicht immer und sofort. Gerade zu Weihnachten stehe sogar ich ein klitzekleines bisschen auf Dekoration ;) Aber das generelle Bewusstsein mehr in den Alltag zu integrieren halte ich durchaus für machbar und sinnvoll für mich.

Und du so? Denkst du beim Selbermachen an die Umwelt? Ärgerst du dich auch manchmal über den Müll, den du dabei produzierst? Machst du gerne Upcycling-Projekte?

Schreib mir doch einen Kommentar, ich bin gespannt auf deine Sichtweise zum Thema!

Verlinkt bei EinfachNachhaltigBesserLeben

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